Tin Can – Hardcore-Survival an Bord einer kleinen Rettungskapsel

Die Sirenen heulen, der Kern schmilzt: Ein Raumschiff steht kurz vor der Explosion. Uns bleibt weniger als eine Minute für einen panischen Sprint, um lebensrettende Ersatzteile zusammenzuraffen, bevor wir uns in die nächstbeste Rettungskapsel flüchten. In Tin Can, dem Erstlingswerk des französischen Indie-Entwicklerteams Tin Can Studio, wird genau diese Prämisse zu einem nervenaufreibenden Überlebenskampf.
Wir stranden in einer alten, klaustrophobischen Rettungskapsel der Medusa-Klasse und sind den Launen des Kosmos völlig schonungslos ausgeliefert. Ohne Vorkenntnisse über die komplexe Technik an Bord bleibt uns nur unser Verstand und ein detailliertes Bordhandbuch, das die verschiedenen Komponenten und unzähligen Fehlercodes beschreibt. Es gilt, die Kapsel instand zu halten um zu überleben. Ein Unterfangen, das sich schnell als chaotisches, aber unglaublich motivierendes Mikromanagement entpuppt.
Realistische Systeme und das Mikrowellen-Reparaturgerät
Der kalte (und manchmal extrem heiße) Tod wartet hinter jeder defekten Sicherung. Der Titel kombiniert knallhartes Survival mit einem beeindruckenden Detailgrad:
- Vernetzte Bordelektronik: Sauerstoff- und CO2-Tanks müssen abgewechselt, Lecks gestopft und Brände gelöscht werden. Fällt der Strom aus, müssen wir notfalls Systeme abschalten oder bei zu hohem Druck kurzzeitig die Luftschleuse riskieren.
- Schrauben und Zerlegen: Mithilfe eines Geräts, das stark an eine Mikrowelle erinnert, können wir beschädigten Bauteilen neues Leben einhauchen oder sie komplett in nützliche Einzelteile zerlegen.
- Echte Symptome statt Lebensbalken: Unser Charakter leidet unter echten medizinischen Symptomen. Ein Sauerstoffmangel (Hypoxie) löst schnelle Atmung aus, trübt die Sicht und führt schließlich zur Bewusstlosigkeit.
- Das Universum als Feind: Nach wenigen Minuten beginnt meist der erste Asteroidensturm. Danach sind die Ereignisse zufallsgeneriert: Vorbeiflüge an Sternen verursachen kritische Überhitzung, während elektrische Stürme die Ausrüstung rösten.
Unser Feature-Fokus: Tin Can ist nicht auf stundenlange Marathons ausgelegt, sondern glänzt besonders in intensiven, knapp zwanzigminütigen Runden. Wenn die Lichter anfangen zu flackern, das Handbuch im Notlicht kaum noch lesbar ist und die Kapsel unter Asteroideneinschlägen bebt, spürt man die völlige Isolation des Weltalls. Ein kleines, humorvolles Detail am Rande: Sogar ein ausklappbarer Basketballkorb ist an Bord, der allerdings dummerweise den benachbarten Spind blockieren kann.
Modi, Ranglisten und Konsolen-Release
Da es keine klassische Story-Kampagne gibt, zieht Tin Can seinen enormen Wiederspielwert aus dem Drang, die eigenen Fehler zu analysieren und auf der Online-Rangliste immer längere Überlebenszeiten zu erzielen. Neben diesem Hauptmodus gibt es Rettungsmissionen, bei denen ein Signalfeuer so lange wie möglich online gehalten werden muss, sowie einen freien Sandbox-Modus.
Mittlerweile ist der Survival-Hit nicht nur für den PC (inklusive einer hochspannenden VR-Version), sondern auch für PlayStation und Xbox erhältlich. Ein innovatives Steuerungskonzept lässt uns dabei in jeder Hand einen Gegenstand halten (etwa das Handbuch links, das Werkzeug rechts), auch wenn die Controller-Bedienung bei hektischen Reparaturen deutlich fummeliger ausfällt als mit Maus und Tastatur.





